20.05.2018

Emmi Verwaltungsräte im Fokus: Interview mit Konrad Graber, Verwaltungsratspräsident Emmi

In der Mai-Ausgabe der ZMP info führen wir die Interview-Reihe mit unseren Emmi Verwaltungsräten weiter. Wir haben mit Konrad Graber über seine Rolle als Verwaltungsratspräsidenten Emmi gesprochen.

 

Sie sind seit 2006 im Verwaltungsrat von Emmi und seit 2009 Präsident. Was hat sich seither verändert?

Die Umsatzanteile Schweiz und International sind heute fast gleich gross. Die Internationalisierung stellt grössere Anforderungen. Die zwei gleich starken Beine helfen uns aber, Herausforderungen zu meistern. Das ist gut gelungen. Der Umsatz ist seit Ende 2008 um 26 % gestiegen. Der Kurs der Aktie hat sich versiebenfacht. Auch die Anzahl Mitarbeitenden und der Reingewinn sind markant gestiegen.

 

Woran liegt das?

Es ist das Resultat einer stimmigen Strategie, der tollen Leistung aller Mitarbeitenden, der starken Führung und des ausgeprägten "Emmi-Geistes". Die Mitarbeitenden identifizieren sich stark mit Emmi, die Milchproduzenten auch. Dieser Tage sieht man die ersten Emmi Botschaftertafeln an der Wand eines Hofes. Dies bereitet Freude. Emmi kann auf zuverlässige Milchproduzenten zählen. Auf der anderen Seite ist Emmi eine verlässliche Geschäftspartnerin, die wertige Produkte herstellt, auch überschüssige Milch abnimmt und einen überdurchschnittlichen Milchpreis bezahlt. Es ist ein Geben und Nehmen.

 

Was ist die Rolle eines Verwaltungsratspräsidenten?

Er leitet den Verwaltungsrat, das oberste Organ der Gesellschaft. Dieser wiederum ist verantwortlich für die Oberleitung des Konzerns und die Überwachung der Geschäftsführung. Dazu gehören beispielsweise das Festlegen der mittel- und langfristigen Strategie und der Organisation und die Ausgestaltung des Rechnungswesens, der Finanzkontrolle und -planung. Er ist zuständig für die Ernennung und Abberufung des CEO und der Konzernleitung. Zudem muss der Verwaltungsrat sicherstellen, dass Gesetze, Statuten und Reglemente eingehalten werden.

 

Einige dieser Aufgaben werden in Verwaltungsratssitzungen und Ausschüssen wahrgenommen. Hinzu kommen Besprechungen mit dem CEO, Konzernleitungsmitgliedern sowie der Internen und Externen Revision. Bei bedeutenden Projekten und Akquisitionen ist der Verwaltungsrat besonders gefordert. Eine VR-Delegation macht sich jeweils vor Ort ein Bild der zukünftigen Emmi-Gesellschaft. Um die vielfältigen Aufgaben zu erfüllen, gibt es viel Detailarbeit, um die richtigen Akzente zu setzen. Mein Arbeitspensum hat sich über die Zeit von 30 auf rund 40 Prozent erhöht.

 

Was ist Ihre Leistung als Verwaltungsrat?

2006 wurde jemand gesucht, der sich in Finanzen und internationaler Rechnungslegung auskennt. Als Betriebsökonom, Wirtschaftsprüfer und früherer Partner bei KPMG brachte ich Erfahrung aus etwa 500 Gesellschaften mit, aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen, vom Kleinbetrieb bis zum Milliardenkonzern. Bei BDO war ich in der Geschäftsleitung verantwortlich für Unternehmensberatung und Informatik. All diese Kenntnisse tragen dazu bei, dass ich ein kompetenter Verwaltungsratspräsident bei Emmi sein kann. Für die Wahl hatte ich ein fachliches Anforderungsprofil zu erfüllen. Erst später wurde ich Ständerat.

 

Warum sind Sie Politiker geworden?

Es waren vor allem lokale Themen, die mich jung in die Politik führten. Zu Beginn war es der Kampf um mehr Jugendlokale oder ein direkter Radweg von Kriens nach Luzern. Heute sind die Themen auf einer anderen Ebene: Steuervorlage 17, Altersvorsorge, Verhältnis mit der EU, Agrarpolitik usw.

 

Dabei schätze ich die Möglichkeit, Anliegen aus der Praxis mit den politischen Vorlagen zu verknüpfen. So ist es damals auf meinen Antrag gelungen, die Verkäsungs- und Silofreizulage im Gesetz zu verankern und diese damit bei allen Budgetstürmen wetterfest zu gestalten. Es macht mir seit jeher Freude, unser tägliches Leben und die Zukunft mitzugestalten.

 

Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Der Erfolg von Emmi, der auch für die Landwirtschaft und die Schweizer Milchproduzenten entscheidend ist. Die Schweizer Milchbauern liefern uns einen hochwertigen Rohstoff. ZMP als Hauptaktionärin gibt uns die Gewissheit, dass wir uns beispielsweise nicht mit zeitraubenden Übernahme­kämpfen auseinander setzen müssen und liefert andere wertvolle – manchmal durchaus kritische – Inputs.

 

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Niemand ist unfehlbar. Deshalb kann ich mit faktenorientierter und sachlicher Kritik gut leben. Der Dialog ist mir wichtig. In einem Gespräch kann viel geklärt werden. Oft gibt es nicht einfach schwarz oder weiss, sondern mehrere Sichtweisen, und es gilt jeweils Vor- und Nachteile abzuwägen.

 

Sie setzen sich für Nachhaltigkeit ein. Was ist Ihnen am wichtigsten?

Ich stehe überzeugt hinter der Nachhaltigkeitsstrategie von Emmi. Zwar gab es bei der „nachhaltig produzierten Milch“ zuerst Kritik. Jetzt zeigt sich ein Wildwuchs von Labels, die alle in die gleiche Richtung stossen. Qualität und Tierwohl stehen dabei stets im Vordergrund. Wir müssen den Abstand zum Ausland aufrechterhalten. Es braucht hier nun eine ordnende Hand, damit der Mehrwert auch beim Produzenten ankommt.

 

Emmi betrachtet Nachhaltigkeit umfassend. Weitere Themen sind, die eingesetzten Rohstoffe, Energie, Wasser usw. ressourcenschonend einzusetzen und unsere Mitarbeitenden weiterzuentwickeln.

 

 

Was ist Ihr persönlicher Beitrag?

Meine Frau und ich verfügen privat seit gut 20 Jahren über eine Solaranlage zur Warmwassergewinnung. Wir haben diese vor einigen Jahren noch ausgebaut und gewinnen, wie viele Landwirte, Strom von der Sonne. Diese dient unter anderem als Treibstoff für unser Elektrofahrzeug. Per Saldo sind wir energieautonom und produzieren sogar einen Energieüberschuss, den wir ins Netz liefern.

 

Welches ist Ihr liebstes Emmi Produkt?

Bei mir findet sich immer Kaltbach Extra Würzig, der Scharfe Maxx und Jogurtpur im Kühlschrank. Auch Kaltbach-Fondue und -Raclette schmecken ausgezeichnet. Beim Caffè Latte ist die Mexico Edition zurzeit mein Favorit. Ich freue mich, dass es immer wieder gelingt, Neuheiten auf den Markt zu bringen. Dies zum Vorteil von Emmi, aber auch der Produzenten.

 

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