20.03.2018

Emmi Verwaltungsräte im Fokus: Interview mit Franz Steiger

In der letzten ZMP info haben wir in der Serie «Emmi Verwaltungsräte im Fokus» Monique Bourquin vorgestellt. Jetzt ist Franz Steiger an der Reihe. Er hat als langjähriges Vorstandsmitglied viel Erfahrung und war von 2006 bis 2015 Vizepräsident ZMP. Mit seiner Einsitznahme in den Emmi Verwaltungsrat hat er das Vizepräsidium abgegeben.

 

 

Die ZMP delegiert aus dem 7-köpfigen Vorstand 3 Vertreter in den Verwaltungsrat Emmi AG. Was war deine Motivation, dich vom Regionalausschuss ZMP für den Verwaltungsrat der Emmi AG nominieren zu lassen?

Meine Hauptmotivation war, mein Wissen zum Nutzen der Bauern einbringen zu können. Damit meine ich die Erfahrung als langjähriges Vorstandsmitglied ZMP, meine Kenntnisse der Käsebranche – beispielsweise aus der der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland - und natürlich auch besonders das Wissen als aktiver Milchproduzent an der vordersten Front.

 

Seit ich im Vorstand bin, war ich immer davon überzeugt, dass es eine starke Firma Emmi braucht. Es ist mir wichtig, die Interessen der zukunftsorientierten Milchproduzenten in die strategische Führung der Emmi einzubringen.

 

Was muss aus deiner Sicht ein guter Verwaltungsrat respektive ein bäuerlicher Vertreter im Emmi Verwaltungsrat können?

Er muss ein sehr gutes Wissen über die Agrarpolitik haben, strategisches Führungsgeschick und ein gutes Gespür dafür mitbringen, was auf den Märkten läuft - auch im Ausland. Denn die ausländischen Märkte haben zunehmend Einfluss auf die Marktentwicklung im Inland. Er muss sich sehr breit informieren, und dies laufend.

 

Was bringst du konkret der ZMP respektive den Zentralschweizer Milchproduzenten im Verwaltungsrat?

Die wichtigsten Anliegen der ZMP sind in einer Zusammenarbeitsvereinbarung mit Emmi geregelt. Als bäuerlicher Verwaltungsrat kennt man die Anliegen der Genossenschaft und der Milchproduzenten und kann ihre Sichtweise und Anliegen einbringen. Unsere Tätigkeit beschränkt sich nicht nur auf die Zentralschweizer Milchproduzenten. Unser Engagement kommt auch den anderen Milchproduzenten in der Schweiz zu Gute.

 

Welche Aufgaben hast du im Verwaltungsrat?

Die Aufgaben im Verwaltungsrat sind sehr vielfältig. Einerseits gibt es Kontrollaufgaben, das Jahres- und Investitionsbudget ist zu planen, und es sind strategierelevante Entscheidungen zu fällen.

 

Welche strategischen Entscheide zum Beispiel?

Ich bin im Agrarbeirat vertreten. Dieser befasst sich mit politisch übergeordneten Themen, der allgemeinen Entwicklung der Milch- und Käsebranche, der Mengen- und Preisführung des Rohstoffes Milch sowie der Milch- und Käsebeschaffung.

 

 

Thema Mengen- und Preisführung im Agrarbeirat? Was beinhaltet die Diskussion?

Auf der einen Seite muss das Milchangebot (Einlieferungen) abgeschätzt werden. Auf der anderen Seite muss der Absatzmarkt beurteilt und festgelegt werden, wie viel Milch Emmi verarbeiten und letztendlich auch «wertig» verkaufen kann. Aktuell sind die Einlieferungen auf Rekordhöhe und die verarbeitenden Unternehmen (nicht nur Emmi) stossen an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Instrumente der Branche (zum Beispiel LactoFama) werden in der Diskussion berücksichtigt. LactoFama ist aber auf Eis gelegt. Der Export von Milchüberschüssen ist ein Verlustgeschäft, und es müssen Massnahmen getroffen werden (zum Beispiel Rückbehalt im Milchpreis), welche auch die Produzenten zu einem Teil mittragen müssen.

 

Die Milchproduzenten erwarten doch in erster Linie, dass du dich im Emmi Verwaltungsrat für gute Milchpreise einsetzt? Wie machst du das?

Ich stehe klar hinter der Strategie, dass Emmi ihren Milchproduzenten überdurchschnittliche Milchpreise bezahlt. Der Milchpreis wird jedoch am Markt realisiert und basiert auf dem Marktgesetz von Angebot und Nachfrage. Das gilt auch für den Preis, den Emmi bezahlen kann. Da wir einen teilliberalisierten Milchmarkt haben, ist der Schweizer Milchpreis auch stark von internationalen Preisentwicklungen abhängig. Aktuell übersteigt das Milchangebot die Nachfrage deutlich, was grossen Druck auf die Milchpreise ausübt – international und auch in der Schweiz. Um das strategische Ziel der überdurchschnittlichen Milchpreise erreichen zu können, setzt Emmi auf wertschöpfungsstarke Produkte und eine Premium-Strategie.

 

Wieso verarbeitet Emmi denn überschüssige Milch? Das passt doch gar nicht zu ihrer Premium-Strategie?

Es ist eine Dienstleistung, die Emmi für die Milchproduzenten erbringt. Wir wissen alle, dass die Milchproduktion stark von der Vegetation und vom Wetter geprägt ist. Bei guten Produktionsbedingungen gibt es naturgemäss im Frühjahr hohe Einlieferungen. Nur wenige Molkereien bieten Hand, diese zu verarbeiten.

 

Gibt es Aufgaben und Tätigkeiten, welche dich besonders herausgefordert haben?

Am Anfang meiner Aufgabe als Mitglied im Verwaltungsrat erhielt ich eine sehr gute Einführung, ebenfalls mitgeholfen haben diverse Kursbesuche, die mich auf die Tätigkeit vorbereitet haben. Die Aufgaben und Herausforderungen im Verwaltungsrat lösen wir grundsätzlich als Gremium gemeinsam. Die Geschäfte sind immer sehr gut aufgearbeitet und verständlich dargestellt.

 

Die Herausforderungen an die Mitglieder im Emmi Verwaltungsrat nehmen mit zunehmender Internationalisierung zu. Unsere Sprache im Verwaltungsrat ist zwar Deutsch, jedoch sind Englischkenntnisse von Vorteil. Vor allem die Mitglieder im Prüfausschuss müssen Englisch können, denn die Sprache im Finanzbereich und die Begriffe sind grundsätzlich in Englisch.

 

Du bist Vorstandsmitglied und Milchproduzent ZMP. Wie stehst du zur Nachhaltigkeitsstrategie von Emmi?

Nicht nur Emmi kann gute Milchprodukte herstellen. Der Wettbewerb läuft zunehmend über das Argument der Nachhaltigkeit. Wir Produzenten können die Nachhaltigkeit beeinflussen. Unsere Produktionsart und das Tierwohl sind beim Konsumenten immer wichtiger. Die SMP sollten mit den Produzenten einen einheitlichen Standard formulieren für die Suisse Garantie Milch, worauf auch der Detailhandel aufbauen kann. Als Milchproduzent setze ich mich dafür ein, dass es für den Konsumenten verständlich ist, was er kauft, und der Produzent für seine Leistungen auch fair entschädigt wird.

 

Welche Antwort gibst du einem Milchproduzenten, der behauptet, Emmi maximiert ihre Gewinne für die Aktionäre und engagiert sich nicht für den Milchpreis?

Emmi konnte Umsatz und Gewinn in den letzten Jahren steigern, weil sie starke Marken im Sortiment hatte, Innovationen brachte, rentable Zukäufe (Akquisitionen) tätigte und die Kosten im Griff hat.

Emmi ist ein fairer Partner für die Milchproduzenten. Sie engagiert sich in der Branche und setzt die Beschlüsse der Branche inkl. Richtpreis korrekt um. Emmi bezahlt überdurchschnittliche Milchpreise. Um dies zu gewährleisten und langfristig ein guter Partner der Milchproduzenten zu bleiben, braucht Emmi gute Ergebnisse. Sie muss in den inländischen wie auch in den ausländischen Markt investieren, um unsere Milch zu wertschöpfungsstarken Produkten veredeln und auch verkaufen zu können.

 

Welche Vorteile siehst du in der zunehmenden Internationalisierung von Emmi?

Emmi ist nicht nur von einem Markt abhängig. Wir wissen, dass der Schweizer Markt hart umkämpft ist (der Importdruck und der Einkaufstourismus verschärfen die Situation). In den letzten Jahren hat Emmi am Heimmarkt Umsatz verloren. Wachstum ist hierzulande fast nur noch mit Verdrängung möglich, und das geht vor allem auf Kosten der Preise (folglich auch über die Milchpreise).

Der Umsatz- und Gewinnzuwachs wurde auch dieses Jahr primär im Ausland geholt.

 

Siehst du auch Nachteile in der Internationalisierung?

Natürlich gibt es auch Risiken wie Währungsschwankungen, politische Unruhen oder dass sich Märkte plötzlich anders entwickeln als erwartet. Die Chancen der Internationalisierung sind aber viel grösser als die Risiken.

 

Welche Milchprodukte findet man in deinem Kühlschrank?

Rohmilch, Butter, Rahm, Jogurt, Crème fraîche, Quark in allen «Ausführungen», YoQua und verschiedene Sorten Käse. Ebenfalls geniessen wir gerne ein Raclette oder Fondue. Milch, Butter und Käse gehören zum Frühstück einfach dazu, Jogurt gibt es dann eher als Zwischenverpflegung.

 

Emmi Verwaltungsräte im Fokus: Interview mit Franz Steiger