«Was macht eigentlich das Milch-Girl von 1984 heute?»

Interview mit Susanne Fiebiger

 

Susanne, wenn du zurückblickst, was bedeutet dir heute diesen vor genau 37 Jahren errungenen Titel?

Susanne Fiebiger: Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ein Riesenerfolg. Eine wunderschöne Erinnerung, die mich auch heute – nach so unglaublich vielen Jahren – immer wieder zum Schmunzeln bringt. Ich wurde damals an meinem 19. Geburtstag gewählt. 

 

«Die Wahl eröffnete mir neue Möglichkeiten.»

 

Es waren die Jahre der weissen Tennissocken, Pastelltönen und Neonfarben. Die Welt erschien mir zu jener Zeit riesengross und vieles unerreichbar. Selbst Zürich lag für mich als Luzernerin weit entfernt und fremd. Die Wahl zum Milch-Girl eröffnete mir somit neue Tore und Möglichkeiten. Ich habe viele interessante Menschen getroffen, bin dadurch reifer geworden, habe mich persönlich weiterentwickelt und das Leben aus einer neuen Perspektive kennengelernt.

 

An welche Momente erinnerst du dich am liebsten? Gab es eine besondere Anekdote im Zusammenhang mit der Wahl?

Nach der Wahl habe ich sehr viele Blumen nach Hause geschickt bekommen – daran kann ich mich noch sehr gut erinnern, denn ich liebe Blumen. Mein Zimmer glich einem Blumenmeer. 

Da habe ich erstmals richtig realisiert wie viele Leute davon erfahren haben, und mir wurde bewusst, dass sich mein Alltag für die nächsten Monate wohl fortan verändern wird. 

Unterschiedlichste Verbände, Privatpersonen, Vereine etc. haben mir gratuliert und mich eingeladen. Dieses grosse Interesse an meiner Person hat mich anfänglich fast ein bisschen überfordert. Ich denke, man kann das nicht mit heute vergleichen. Damals war alles anonymer. Es gab keine Handys, Instagram, Facebook, Tiktok und Co. Und dann plötzlich in Zeitungen zu erscheinen, an Ausstellungen wie LUGA und OLMA vor den eigenen Plakaten zu stehen und von fremden Leuten angesprochen zu werden, war total neu für mich und äusserst eindrucksvoll. 

Es gab natürlich unzählige, superschöne Erlebnisse, die immer noch gegenwärtig sind. Jedoch nicht in allen Details. Einmal bin ich in einer Luzerner Festtags-Tracht aus einem Weinfass «gestiegen»; eine Art Überraschung. Zu welchem Anlass genau – daran kann ich mich leider nicht mehr erinnern. 

Ich war an Landwirtschafts-Ausstellungen, schenkte an Autobahnraststätten Milch aus, war im Appenzell (Heiden) übers Weekend eingeladen. Ich wurde mit Geschenken verwöhnt und noch viel viel mehr. Auch wenn ich nach dem tausendsten Mal den Spruch: «Milch macht müde Männer wieder munter» schon fast nicht mehr hören konnte, schenkte ich trotzdem jeder einzelnen vorbeimarschierenden und augenzwinkernden Person ein Lächeln darauf. 

 

«Nervös vor dem ersten TV-Auftritt.»

 

Einer der speziellsten Auftritte war bestimmt der in der Fernsehsendung «Karussell» mit Kurt Aeschbacher. Das war total spontan geplant. Der Anruf vom SRF kam am Morgen, als ich gearbeitet habe. Ich musste schnell nach Hause und dann sofort mit dem Zug nach Zürich ins Fernsehstudio. Welche Fragen mir gestellt würden oder einen genauen Ablauf habe ich nicht erhalten – was mich dann natürlich noch nervöser werden liess. Alle Zuschauer im Publikum haben ein Glas Milch bekommen und wir haben gemeinsam auf den «Tag der Milch» angestossen. Ich kann mich erinnern, dass mich Kurt Aeschbacher gefragt hat, ob dies ein «Fulltimejob» sei. Vor lauter Nervosität habe ich ihn nicht verstanden und fragte einfach, was er denn jetzt genau damit meine. Ein Auftritt im TV empfand ich damals als extrem krass.

 

Unsere Fragen erreichen dich in Stockholm, wo du seit 10 Jahren lebst. Warum bist du in Schweden gelandet?

Ich bin der Liebe gefolgt und vor 10 Jahren mit meinen 3 Kindern nach Stockholm ausgewandert.

 

«Ich habe mir meinen Kindheitstraum erfüllt: Flight Attendant.»

 

Meinen Kindheitstraum, nämlich zur Swissair zu gehen und Flight Attendant zu werden, habe ich mir 1988 erfüllt. Ich bin erstaunlicherweise immer noch dabei und pendle nun schon seit 10 Jahren von Stockholm in die Schweiz und zurück. Zwei meiner drei Töchter leben schon nicht mehr in Schweden und sind ausgezogen/ausgewandert. 

Inzwischen habe ich auch die schwedische Staatsbürgerschaft. Aber dass ich zurück in die Schweiz will, steht für mich ganz klar fest. 

 

 

Unsere obligate Frage an die Milch-Geniesser*innen. Welche Milchprodukte findet man bei dir im Kühlschrank?

Biologische Vollmilch, Diverse Käsesorten (auch Schweizer Käse) Joghurt, Quark, Butter, Crème fraîche. 

 

Und zum Schluss: Du darfst dir eins der drei Rezepte von Swissmilk auswählen, welches du am «gluschtigsten» findest:

a) Kartoffel-Gemüse-Gratin

b) Spargel-Risotto

c) Low Carb Blumenkohl-Pizza

Ich wähle ein Rezept, das ich nicht kenne: die Low Carb Blumenkohl-Pizza.

 
Danke vielmals für den spannenden Einblick, liebe Susanne. Milch bewegt galt auch schon vor 37 Jahren. Wir wünschen dir auf deinem beruflichen und privaten Weg alles Gute und freuen uns darüber, dass du auch heute noch ein echter Milchfan bist.


Persönlich

Vorname            Susanne
Name                   Fiebiger
Wohnort             Stockholm
Beruf                    Flight Attendant bei Swiss
Kinder                  3 Töchter (1995, 1998, 2003)
Hobbys Reisen, Running, Yoga, Walking, Lesen 

 

 

Luzern, im Juni 2021