20.02.2018

Emmi Verwaltungsräte im Fokus

Im Emmi Verwaltungsrat (VR) sitzen 5 Mitglieder ein, welche von der ZMP delegiert sind. Was denken und tun unsere Emmi Verwaltungsräte? Um das herauszufinden, haben wir als Erstes ein Interview mit Monique Bourquin geführt. Eine Frau, welche auch heikle Punkte auf den Tisch bringt!

 

Was reizt Sie im Verwaltungsrat von Emmi?

Ich bringe gerne mein Wissen und meine Erfahrung ein. Dabei lerne ich Neues dazu und entdecke immer wieder andere Aspekte. Als überzeugte Schweizerin macht es mir Freude, etwas Urschweizerisches wie Emmi mitzuprägen und ihren Produkten in der Schweiz und international zum Erfolg zu verhelfen.


Sie sind seit fast fünf Jahren in diesem Gremium. Was waren die Höhepunkte für Sie?

Ganz wichtig war die weitere Expansion und das Wachstum von Emmi im Ausland. Dann gab es erfolgreiche Innovationen wie Jogurtpur oder YoQua. Wir haben auch Zugpferde wie Caffè Latte und Kaltbach weiterentwickelt, die sich auch international gut behaupten. Als letztes nenne ich die verstärkten Nachhaltigkeitsanstrengungen. Das ist mir persönlich sehr wichtig.

 

Was ist Ihre Rolle?

Als Verwaltungsrätin definiere und gestalte ich die strategische Richtung von Emmi mit. Dazu gehören auch eine seriöse Chancen- und Risikoabwägung, zum Beispiel bei Firmenkäufen oder Investitionen. Der Verwaltungsrat muss zudem sicherstellen, dass Emmi sich dem Schweizer Recht entsprechend verhält. Ich denke zum Beispiel an die Gleichbehandlung aller Aktionäre.


Um meine Arbeit gut zu machen, muss ich das Geschäft gesamtheitlich verstehen und beurteilen können. Meine Berufserfahrung hilft mir dabei. Ich war über 20 Jahre in der Lebensmittelindustrie tätig – zum Beispiel bei Mövenpick, Rivella und Unilever mit Marken wie Knorr oder Chirat. Durch meine langjährige Tätigkeit bei Unilever in der Schweiz und im Ausland bringe ich fundiertes Wissen aus vielen Bereichen mit. Dazu gehören nebst der Gesamtverantwortung als Landeschefin Verkauf, Marketing und Finanzen.

 

Was muss eine gute Verwaltungsrätin können?

Verwaltungsräte müssen rasch zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheiden können. Sie müssen Zusammenhänge verstehen, Chancen und Risiken überblicken und diese vertreten. Und auch mal kritische Fragen stellen.

Es ist wichtig, dass jedes Mitglied über unterschiedliche Kompetenzen verfügt und seine persönliche Sicht einbringt. So werden verschiedene Perspektiven einer Situation durchleuchtet und bessere Entscheide gefällt. Eine Person mag viel Führungserfahrung haben oder gut über die internationalen Märkte Bescheid wissen. Die nächste hat viel Fachwissen und wieder jemand anderes ist ein Profi aus der Milchwirtschaft oder in politischen Belangen. Das gibt eine starke Truppe, wo 1 + 1 eben 3 und nicht nur 2 gibt.

 


Was tun Sie zwischen den einzelnen Emmi Verwaltungsratsitzungen?

Es gibt Sitzungen des Markt- und Prüfungsausschusses sowie ZMP interne Termine. Auch die Vorbereitung auf die kommenden VR-Sitzungen beansprucht Zeit. Emmi dreht immer in meinem Kopf: Bei jeden Einkauf schaue ich, wie die Produkte daherkommen. Wie werden sie präsentiert? Zu welchen Preisen? Was kann man anders und besser machen? Was macht die Konkurrenz? Ich informiere mich auch über die Branche und die Milchindustrie – in Zeitungen und im Internet, lese Informationen von Emmi und die ZMP info.

Dann bin ich in weiteren Verwaltungsräten, zum Beispiel bei Kambly. Das Unternehmen hat Werte, die denjenigen von Emmi sehr ähnlich sind. Weiter präsidiere ich den Schweizer Markenartikelverband Promarca mit 90 Mitgliedfirmen, einschliesslich Emmi. Ziel des Verbandes ist, Markenprodukte zu stärken, das politische Umfeld zu sensibilisieren und dafür zu kämpfen, dass Schweizer Unternehmen vernünftige Rahmenbedingungen haben.

An der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich unterrichte ich Change Management – also wie man klug und wirkungsvoll mit Veränderung umgeht. Das Thema ist auch bei Emmi und ZMP aktuell.


Inwiefern haben Sie als frühere Managerin bei Unilever Verbindungen zur Landwirtschaft?

Unilever ist weit fortgeschritten im Thema Nachhaltigkeit. Die Aufgabe, verantwortungsvoll mit knappen Ressourcen umzugehen, prägt mich seit langem. Zudem wohnen wir in einem Dorf mit 700 Einwohnern. Ich spreche mit Bäuerinnen und Bauern, wenn ich in der Natur bin. Meine Tochter kennt Bauernkinder aus der Schule. Es gibt Elternabende, Gemeindeversammlungen etc. Der regelmässige Kontakt ist gegeben. Und über meinen Mann, der ursprünglich Urner ist, habe ich eine familiäre Verbundenheit mit der Innerschweiz.

 

Sie sind ZMP-Vertreterin im VR von Emmi. Was bringen Sie ZMP?

Ich bin sehr offen und bringe auch heikle Punkte auf den Tisch. Ich setze mich ein, dass Diskussionen offen geführt und verschiedene Meinungen ausdiskutiert werden. Und ich engagiere mich dafür, dass Emmi ihr Geld umsichtig ausgibt. Noch immer investiert Emmi mehrheitlich in der Schweiz, obwohl die Hälfte des Umsatzes aus dem Ausland kommt. Das ist gut so.

Grundsätzlich wollen wir alle eine gesunde Emmi. Denn nur, wenn es Emmi gut geht und sie wächst, kann sie investieren, die Milch zuverlässig verwerten und an Innovationen arbeiten. Das kommt auch ZMP zugute. Emmi hat dafür  einen Hauptaktionär, der langfristig denkt und nicht schnelle Erfolge sucht. Das ist wertvoll für Emmi und deckt sich mit meinen Werten.

 

Welche Milchprodukte findet man in Ihrem Kühlschrank?

Mein Tag beginnt mit einem Milchkaffee – drei dl Milch mit wenig Kaffee – und bin ich ein grosser YoQua-Fan. Käse in jeglicher Form ist in der ganzen Familie hoch im Kurs, auch Fondue und Raclette. Wir essen selbst im Sommer Raclette. Und meine Tochter: Sie ist jetzt im Startalter für Caffè-Latte und liebt es!

 

Anmerkung der Redaktion:

Monique Bourquin ist seit 2013 Mitglied des Emmi Verwaltungsrats. Sie studierte Ökonomie an der Universität St. Gallen. Bevor sie 2002 zu Unilever wechselte, sammelte sie Erfahrung in der Geschäftsleitung von Knorr, Rivella und Mövenpick. Der Wunsch kam mehrmals von Mitgliederseite (auch in der Mitgliederbefragung 2017), die von der ZMP delegierten Emmi Verwaltungsräte näher unter die Lupe zu nehmen. In einer nächsten ZMP info ist ein weiteres Interview mit einem von der ZMP delegierten Mitglied Emmi Verwaltungsrat geplant.

 

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